Kampf gegen die Killer-Keime

Dr. Wolfgang Decker im Interview mit der TZ

Dr. Wolfgang Decker, Chef der gleichnamigen Schwabinger Klinik, gilt als ausgewiesener Spezialist für gefährliche Erreger und für Krankenhaus-Hygiene. Im Interview mit unserer Zeitung erklärt der Internist, warum die Bekämpfung so genannter Killerkeime immer schwieriger wird.

Herr Dr. Decker, viele Menschen schlucken relativ sorglos Antibiotika – auch weil sie diese von manchen Ärzten sehr freizügig verordnet bekommen. Was sind die Folgen?

Dr. Wolfgang Decker: Durch diesen übertriebenen Einsatz von Antibiotika züchten wir uns die Problemkeime praktisch selbst. Sie bekommen die Gelegenheit, ihren Gencode entsprechend zu verändern und Abwehrstrategien gegen diese Medikamente zu enwickeln.

Wie kann der Patient sich vor der überflüssigen Einnahme von Antibiotika schützen?

Dr. Decker: Es ist nichts Ehrenrühriges, seinen Arzt zu fragen, ob das verordnete Antibiotikum wirklich erforderlich ist. In vielen Fällen werden beispielsweise Erkältungen von Viren hervorgerufen, die gar nicht auf die Behandlung mit Antibiotika ansprechen. Im Zweifel bringt eine Blutanalyse im Labor Klarheit.

Auch der Einsatz von Anbibiotika in der Tiermast steht im Verdacht, Resistenzen bei Menschen zu verursachen.

Dr. Decker: Das ist ein Riesen-Problem. Viele Tiere werden nicht aus medizinischen Gründen damit behandelt, sondern um sie besser mästen zu können. Nach wie vor dürfen Veterinäre Antibiotika relativ großzügig verwenden. Davon machen gerade manche Großbetriebe gerne Gebrauch. Über die Nahrungskette und auch übers Abwasser landen die Antibiotika dann bei uns Menschen, ohne das wir es überhaupt mitbekommen. Hier hätte längst etwas geschehen müssen.

Wie lässt sich diese Praxis konkrekt verhindern?

Dr. Decker: Der Gesetzgeber ist dringend gefordert. Die Richtlinien für den Einsatz von Antibiotika in der Tiermast müssen verschärft werden.

Das größte Risiko, dass man sich einen gefährlichen Keim einhandelt, besteht nach wie vor in Krankenhäusern. Wie kann man sich der Patient vor einer Ansteckung schützen?

Dr. Decker: Das ist nicht leicht. Grundsätzlich ist die Desinfektion der Hände die wichtigste Vorsorgemaßnahme – hier sind allerdings ganz besonders Ärzte und Pflegekräfte gefordert. Wenn sie die gängigen Hygiene-Vorschriften einhalten und sich wirklich nach jedem Patientenkontakt die Hände desinifizieren,  lassen sich nahezu 100 Prozent der von ihnen beförderten Keime abtöten.

In der Praxis halten sich aber längst nicht alle Krankenhaus-Mitarbeiter daran.

Dr. Decker: Zugegeben: Hygiene erfordert viel Disziplin. Es kann schon mal sein, dass man sich bis zu 100 Mal pro Schicht die Hände desinfizieren muss, wenn man die Vorgaben einhalten will. Dazu gehört auch, dass man nach jeder Desinfektion eine gewisse Einwirkzeit verstreichen lässt, bevor man den nächsten Handgriff macht. Als Patient kann man durchaus darauf achten, ob die Hygieneregeln eingehalten werden und – falls nicht – die Mitarbeiter darauf ansprechen.

Interview: Andreas Beez, 07. November 2018